Bunte Bänder gegen Beifang

Der Beifang von Seevögeln kann durch clevere Hilfsmittel drastisch gesenkt werden.

In vielen Fischereien ist der Beifang von Seevögeln ein großes Problem. Eine Studie der Organisation BirdLife aus dem Jahr 2011 ergab, dass sich weltweit jedes Jahr rund 300.000 Vögel in Langleinen verfangen und dadurch getötet werden.

Es ist noch gar nicht lange her, dass die Fischereien im Südlichen Ozean keine Konsequenzen für ihren hohen Seevogelbeifang fürchten mussten – obwohl die Region Brutstätte tausender Seevögel ist.

Die MSC-zertifizierte Fischerei auf Schwarzen Seehecht vor den Kerguelen ist der lebende Beweis dafür, dass man Seevögel mit ausgeklügelten Hilfsmitteln von den Leinen und Booten fernhalten kann.

Schwarzbrauenalbatross

In der Anfangszeit der Fischerei auf Schwarzen Seehecht im Südlichen Ozean wurden jährlich tausende gefährdete Albatrosse und Sturmvögel getötet und damit ganze Populationen gefährdet.

Erfreulicherweise haben die meisten Fischereien ihre Fischereipraktiken inzwischen an die Forderungen der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) angepasst und den Seevogelbeifang dadurch gesenkt.

In den legalen Langleinenfischereien hat das unnötige Sterben der Albatrosse ein Ende: die Leinen werden nun einfach bei Nacht gesetzt und eingeholt.

Read our full 2016 Global Impacts Report PDF >

Riesensturmvogel

Sturmvögel gehen im Gegensatz zu Albatrossen nachts auf Beutesuche, weshalb hier andere Maßnahmen zur Beifangvermeidung nötig sind.

Auf den Kerguelen, einem abgelegenen französischen Archipel im südlichen Indischen Ozean, ist eine weltweit wichtige Brutpopulation von Sturmvögeln beheimatet.

Als die Fischerei auf Schwarzen Seehecht vor den Kerguelen in den MSC-Bewertungsprozess eintrat, war die hohe Beifangrate von Seevögeln ein Problem. Insbesondere der Graue Sturmvogel steht als „potenziell gefährdet“ auf der Roten Liste der IUCN.

Vor 2005 wurden pro Jahr etwa 750 Graue Sturmvögel in legalen und illegalen Fischereien um die Kerguelen getötet – genug, um einen Rückgang der Population zu verursachen.

Zwar ging der Beifang zurück, nachdem die Anforderungen der CCAMLR umgesetzt wurden, aber er blieb nach wie vor viel höher als vertretbar. Die Kerguelen wurden daher als ein Fischfanggebiet mit einem hohem Risiko für Seevogelbeifang identifiziert.

Reporting of bird mortality caused by Kerguelen Islands toothfish fisheries overtime before the fishery receive MSC certification, and post certification.

Reporting of bird mortality caused by Kerguelen Islands toothfish fisheries overtime before the fishery receive MSC certification, and post certification.

Im Jahr 2013 wurde die Fischerei MSC-zertifiziert. Mit der Zertifizierung erhielt die Fischerei allerdings eine Auflage: eine deutliche Reduzierung des Seevogelsterbens. Bis 2017 müssen die Todesfälle auf ein jährliches Maximum von 20 Vögeln pro Schiff reduziert werden. Außerdem musste die Fischerei bereits ein Überwachungsprogramm speziell für den Grauen Sturmvogel einrichten.

Riesensturmvogel setzt zum Abflug an

Die Fischerei hat verschiedene Änderungen vorgenommen, um Seevögel von den Booten fernzuhalten. Sie nutzt jetzt unter anderem:

  • verbesserte Tori-Leinen – bunte Flatterbänder, die senkrecht über der Langleine hängen, wenn diese gesetzt wird –, die die Vögel vom Tauchen nach den Ködern an den Langleinen abhalten
  • schwerere Leinen, die schneller zu Boden sinken
  • weiße Leinen, die für Vögel schlechter sichtbar sind und sie dadurch gar nicht erst anlocken
  • Schutzbarrieren aus hängenden Leinen, die die Vögel von den Orten fernhalten, an denen die Leinen eingeholt werden
  • Außerdem wird die Fischerei während der Brutzeit des Grauen Sturmvogels vom 1. Februar bis zum 15. März geschlossen.
Tori-Leinen schrecken die Vögel ab und halten sie so von den Haken fern.

Tori-Leinen schrecken die Vögel ab und halten sie so von den Haken fern.

„In den letzten Jahren konnte die Seevogelmortalität in den Antarktischen Fischereien stark gesenkt werden. Mit der MSC-Zertifizierung wurden unsere Anstrengungen für eine deutliche Verringerung der Seevogelbeifänge belohnt.“

M. Jean-Pierre Kinoo, Präsident der Fischerei

Ein zusätzlicher Anreiz für die Fischer ihre Leistung noch weiter zu verbessern, ist, dass diejenigen Schiffe mit niedrigeren Seevogelbeifängen einen etwas höheren Anteil an der gesamten Quote für Schwarzen Seehecht bekommen. Die Kontrolleure haben allerdings darauf hingewiesen, dass sie in Zukunft einen besseren Austausch über wirksame beifangreduzierende Arbeitsweisen sehen möchten.

Die jüngste Überprüfung der Fischerei ergab, dass die Fischerei auf dem besten Weg zur Erreichung ihres Ziels ist, die Seevogelmortalität stark zu reduzieren. Im Jahr 2014/15 wurden insgesamt noch 80 Vögel getötet oder verletzt. Es wurden nur drei tote Graue Sturmvögel berichtet.

Auch wenn ein Seevogelbeifang von Null das oberste Ziel sein sollte, ist es unwahrscheinlich, dass diese geringe Mortalitätsrate eine negative Auswirkung auf die Sturmvogelpopulationen hat.

Teilen Sie diese Fischereigeschichte:

Read our full 2016 Global Impacts Report PDF >

Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht.